Veröffentlicht
28. Juni 2018 um 19:27 Uhr
von Jürgen Wiethäuper

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Anlage des Monats Juli 2018

Der Süderhafen

Maßstab 1:87, Spur H0
Erbauer: IG Kaiserliche Marine

Beim „Süderhafen“ handelt es sich um eine fiktive Hafenanlage aus der Kaiserzeit. Fiktiv um auf einer begrenzten Fläche historische Hafenabläufe im Modellbetrieb zu zeigen. Die Idee zur Anlage
entstand aus der Erfahrung, das auf Modellbau-Messen die Masse des Publikums an gut gebauten Schiffsmodellen achtlos vorbeigeht, wenn sie nur auf den Tischen stehen. Eine Aktionsfläche
mußte her. Das war die Geburtsstunde der Hafenanlage. Ursprünglich nur 3×4 m groß, entstand in 16 Jahren die heute Anlage „Süderhafen“. Basis der Anlage ist ein aus Holzbohlen und Teichfolie bestehendes Wasserbecken, auf den die Anlagen-Segmente aufliegen.

Der „Süderhafen“ gehört zur IG Kaiserliche Marine, einer bundesweiten Modellbau-Vereinigung, die Schiffe und Boote aus der Zeit der Kaiserlichen Marine im einheitlichen Maßstab 1:100 baut.
Unsere Modelle sind RC gesteuerte Fahrmodelle. Wir treffen uns seit nunmehr 31 Jahren, um mit unseren Modellen zu fahren. Die Hafenanlage hat uns die Möglichkeit eröffnet, auch im
Winterhalbjahr etwas gemeinschaftlich zu machen. Jeder der bei der Hafenanlage mitmacht, bringt seine eigenen Modelle mit. Wir haben so immer wieder andere Schiffe im Hafen. Auch Gäste sind uns jederzeit willkommen, wenn Maßstab und Epoche halbwegs stimmen.

Ein Hafen besteht aber nicht nur aus Schiffen. Er ist der Ort des Überganges zwischen Wasser und Landtransport. Die Eisenbahn, zur Kaiserzeit das einzige leistungsfähige Landtransportmittel,
war ein unverzichtbarer Teil jedes Hafens. Einen Kai ohne Gleise gab es nicht. Im Modellhafen sind die Anlagen-Segmente im Eisenbahnmaßstab H0 gebaut. Streng genommen sind die Schiffe im Vergleich zur Eisenbahn etwas zu kleinen. Bei der Größe der Anlage fällt das aber nicht auf. Es gibt einen kleinen Hafenbahnhof, der von der preussischen Staatsbahn betrieben wird. Entsprechende Fahrzeugmodelle der K.P.E.V. kommen zum Einsatz. Die Eisenbahn kann den Hafenbahnhof nur über eine geschlossene Klappbrücke erreichen. Schiffe hingegen können nur bei geöffneter Brücke in das Hafenbecken. Brücke auf für die Schiffe, Brücke zu für die Eisenbahn. Die Klappbrücke ist der betriebliche Mittelpunkt des Modellhafens.

Güterumschlag findet am Lagerhaus- und Kohlenkai statt. Beide Kais haben funktionsfähige Kräne, um auch im Modell den Umschlag von Ladung zwischen Schiff und Eisenbahn durchzuführen. Der Lagerhauskai hat noch die Besonderheit, das er nur über eine Wagondrehscheibe zu erreichen ist. Für den Wagenverschub kommen hier Rangierpferd oder Dampfschleppwinde zum Einsatz. Mit unseren Schiffs- und Eisenbahnmodellen kann der komplette Umschlag von Stückgut oder Kohle im Modell nachgestellt werden. Im äusseren Bereich des Hafens befindet sich das fiktive Modell einer Kaiserlichen Werft. Neben einem funktionsfähigen Schwimmdock gibt es dort eine Helling, auf der regelmäßig der Stapellauf eines Kleinen Kreuzers stattfindet. Mehr als tausend Figuren, zum größten Teil selbst gebaut, bilden das Umfeld des Stapellaufes. Sicherlich das Highlight der Anlage. Den Stapellauf und noch viele andere Sachen präsentieren wir regelmäßig im Rahmen einer halbstündigen moderierten Modellshow.
Abgerundet wird die Anlage durch ein passendes historisches Umfeld. Beim Bahnhof ist es das bürgerliche Stadtviertel mit Wohn- und Geschäftshäusern. Natürlich findet man dort die
obligatorische Hafenkneipe, das Haus mit der roten Laterne und noch einiges mehr. Auf der anderen Seite der Anlage liegt das Arbeiterviertel mit Netzfabrik und Reeperbahn. Dort kann man
unter anderen miterleben, wie früher das Tauwerk auf den Reeperbahnen produziert wurde.

Die Hafenanlage hat sich im Laufe der Jahre zum größten Erfolg unserer IG entwickelt. Man findet uns nicht nur auf Modellbau-Veranstaltungen, auch in Museen präsentieren wir regelmäßig den
historischen Hafenbetrieb. Dabei ist der Hafen eigentlich keine Vereinsanlage. Ich habe ihn im Alleingang für die Gruppe gebaut. Aufgebaut und betrieben werden kann er aber nur von einem
Team, der IG Kaiserlichen Marine. Und das ist das schönste an der Anlage. Etwas gemeinsam zu machen und dabei viel Spaß haben.